Als Frau mehr spüren – die Yoni-Massage

Yoni-Tulpe Yoni-Tulpe

Vor vielen Jahren, bevor ich mit Tantra in Kontakt kam, dachte ich eine doch einigermassen befriedigende Sexualität zu leben. Nach meinem Empfinden war das auch so: Ich hatte regelmässig klitorale Orgasmen, zuweilen zeitgleiche Orgasmen mit meinem Partner … also eigentlich doch alles paletti. Weshalb sollte ich mich also um irgendwas kümmern? Dass man in der Vagina nicht viel spürt, war für mich normal und dass es anders sein könnte, kam mir gar nicht in den Sinn.

Irgendwann besuchte ich dann meinen ersten Tantrakurs … und alles wurde anders. Mir wurde schnell klar, dass es da noch viel mehr zu erleben gibt, als ich bis jetzt kannte. Ich las über die verschiedenen Arten von Orgasmen, staunte (denn ich kannte ja nur den klitoralen) und machte mich auf den Weg, um dieses unbekannte Territorium zu erforschen.

Im Verlauf meiner Forschungsreise, stiess ich auch auf die sogenannte Yoni*-Massage, auf die ich mehr und mehr neugierig wurde, vor allem weil ich von anderen Frauen schon einiges über die teils sehr heilsame Wirkung gehört hatte.

Um was geht es bei der Yoni-Massage?

Bei der Yoni-Massage geht es u. a. darum Gewebe, welches durch Traumata und Stress unempfindlich geworden ist (also keine Lust spüren kann), wieder zurück in die Lebendigkeit zu führen, so dass wieder lustvolle Empfindungen möglich sind. Dies geschieht durch achtsame Vorbereitung des ganzen Körpers und, zu einem späteren Zeitpunkt, respektvoller Berührung der Yoni innen und aussen. Ein wesentlicher Faktor solch einer Massage ist, dass persönliche Grenzen gewahrt und nicht überschritten werden. Eine erfahrene Therapeutin wird in der Regel sehr aufmerksam den Körper erspüren und wahrnehmen, wenn solche Grenzen auftauchen und wird, gemeinsam mit der Klientin, mit diesen Grenzen arbeiten.

Mit diesem Vorwissen begab ich mich also, zugegeben auch mit etwas Bammel, in die Hände einer erfahrenen Tantra-Masseurin. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung, welch transformative Auswirkung diese Massage ein wenig später haben sollte.

Meine damalige Masseurin ging behutsam vor, bereitete mich gut vor, kommunizierte während der Massage mit mir und ich empfand alles als recht angenehm und zuweilen auch lustvoll, bis sie innerhalb der Yoni auf den ersten Ort stiess, der einfach nur schmerzhaft war. Das überraschte mich, denn beim Lieben hatte ich das selten bis nie als schmerzhaft wahrgenommen. Sie gab mir mit, dass ich am besten in den Schmerz hineinatmen solle und dieser, sobald die gespeicherte Emotion aus den Zellen "herausgeschwemmt" sei, abnehmen und sich ganz verflüchtigen würde.

Durch diese Instruktionen konnte ich mich dem Schmerz hingeben, ihn aushalten, in ihn hinein atmen, währenddem sie mit ihrem Finger den Punkt weiterhin berührte, und tatsächlich, der Schmerz liess irgendwann nach. Sie machte weiter und im Verlauf der Massage kamen dann noch weitere Schmerzpunkte, die wir gemeinsam „bearbeiteten“.

Am Ende der Massage deckte sie mich behutsam mit einem Tuch zu und ich hatte die Gelegenheit noch etwas nachklingen zu lassen. Nach einem Weilchen dachte ich so bei mir: "Aha, das war es jetzt also", aber viel mehr war da nicht. Ehrlich gestanden hatte ich in der Folge auch keine grossen Erwartungen.

YoniblumeDie grosse Überraschung kam jedoch einige Zeit später: Als ich mit meinem Partner in die Sinnlichkeit eintauchte, nahm ich urplötzlich Lustgefühle in meiner Yoni wahr, die noch nie dagewesen waren und staunte nur noch. Wow … da drinnen kann man also tatsächlich etwas spüren, das lustvoll ist und Freude macht!

Danach war mir ganz klar: Abgestumpftes Gewebe kann wieder erweckt und dadurch lebendiger und empfindsamer werden (übrigens auch beim Mann). Welche Offenbarung!

Diese Erfahrung ist nun viele Jahre her und heute weiss ich: In meinem Körper steckt weitaus mehr, als ich mir je erträumt hätte. Die Reise mit meiner Yoni ist seitdem immer intensiver und schöner geworden. Sie ist für mich eine wunderschöne und zarte Blume, die einen herrlichen Duft verströmt und sich in voller Pracht öffnen kann, wenn sie die Bedingungen hat, die sie braucht. Dann kann sie sich hingeben und beschenkt mich mit wunderbarsten Empfindungen.

Ich möchte all diese Reisen mit meinem Körper nicht mehr missen. Der einzige Wermutstropfen ist wohl, dass ich nicht schon in meinen Zwanzigern auf diese Methoden gestossen bin. Aber was soll’s, was zählt ist das Hier und Jetzt!

* Yoni ist der tantrische Begriff für die weiblichen Genitalien (Vulva, Vagina und Uterus)

 

 

Urheber und Quelle Fotos:

Tulpe: ©nicole strübin
Rosarote Rose: ©Munimara 165975149 / bigstockphoto.com

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