„Zu früh“ zu kommen kann sowohl für den Mann, wie auch für die Frau, äusserst frustrierend sein. Schon nach kurzer Zeit stellt sich meist ein Teufelskreis aus Versagensängsten, Anspannung und Vermeidungsstrategien ein. Die Angst vor dem Frühzeitigen wird so gross, dass sie zu einem Teil der Ursache wird. Hinzu kommt möglicherweise dann auch noch ein Gefühl der Scham, welches es schwierig macht, darüber zu sprechen.

Wenn man Schätzungen glauben will, dann leidet jeder vierte bis fünfte Mann in der Schweiz unter „Frühzeitigem“. Mann ist also gar nicht so alleine damit, wie er häufig meint.

Muss man dies als unabwendbares Schicksal hinnehmen?

Nein, denn mit einer seriösen Evaluation der Situation kann man möglichen Ursachen auf den Grund gehen und Strategien entwickeln, um die sexuelle Energie deutlich länger halten zu können. Dies bedeutet letztendlich eine tiefere Befriedigung und ein längeres Verweilen in der Lust.

Die meisten Männer beschäftigen sich erst mit ihrer Prostata, wenn diese ihnen Probleme bereitet. Das ist eigentlich schade, denn einerseits wäre sie eine weitere Lustquelle für den Mann, die ihm ganze neue Dimensionen der Sexualität eröffnen kann, und andererseits lohnt es sich, aus gesundheitlichen Gründen, ihr etwas Aufmerksamkeit zu schenken.

Weshalb der männliche Orgasmus nicht so simpel ist, wie man ihn uns weismachen will

Ein Artikel aus RebelleSociety von Jeremiah Barnes*
übersetzt von Nicole Strübin

Wo auch immer man schaut, gibt es die gemeinsame Überzeugung, die weibliche Sexualität sei wie ein mystischer, geheimer Garten, eine Kunstform, während die männliche Sexualität wie ein einfacher Algorithmus ist.

Frauen benötigen Stunden bis zum Orgasmus (wenn sie überhaupt zum Orgasmus kommen).
Männer brauchen einen festen Griff und 5 bis 7 Minuten Reibung.

Frauen brauchen emotionale Sicherheit um loszulassen.
Männer brauchen einen festen Griff und 5 bis 7 Minuten Reibung.

Frauen müssen wie eine Göttin behandelt werden, mit Weihrauch, ausgiebigem Vorspiel und Massageöl.
Männer brauchen einen festen Griff und 5 bis 7 Minuten Reibung.

Erahnen Sie worauf ich anspiele? Da ist eine Dysbalance! Und ich frage: Ist da wirklich eine? Oder wäre es möglich, dass wir bei männlicher Sexualität einen falschen Blickwinkel einnehmen? Ich denke das tun wir. Wenn die Medien über männliche Sexualität schreiben, dann über einen sehr oberflächlichen Teil davon.

Als jemand, der sich in seinem Erwachsenenleben der Sexualität sehr aufgeschlossen näherte, und mit verschiedenen Settings, Techniken und Traditionen experimentierte, würde ich sagen: Da gibt es noch viel mehr in der männlichen Sexualität als uns in der Regel bekannt ist.